Faltbares E-Bike Fiido X im Test: Da ist dem Hersteller ein Coup gelungen! | Michael Knott | netzwelt
Das sieht richtig gut aus, doch überzeugt das faltbare E-Bike Fiido X auch auf lange Sicht? Im Test muss sich das günstige Falt-Pedelec in der Stadt und auf dem Land beweisen.


Hersteller Fiido sorgte vor ein paar Jahren für Furore im E-Bike-Markt. Mithilfe von Crowdfunding produzierte man ein faltbares E-Bike mit Namen D11, das geradezu sensationell günstig war. Wir haben das D11 ausführlich getestet und ein paar Mängel festgestellt, aber auch viel Spaß mit dem Gefährt gehabt.

  1. Ersteindruck: Was für ein schickes E-Bike!
  2. Der Faltvorgang: Eigentlich gut, aber ...
  3. Bevor die Fahrt beginnt: Wie war noch mal der Code?
  4. Fahreindrücke: Wir sind illegal und immer wieder neu unterwegs
  5. Reichweite von 130 Kilometern? Nicht ganz!
  6. Fiido X mit Rabatt kaufen: Preis, Verfügbarkeit und Alternativen
  7. Fazit & Alternativen

    Die im Testbericht angesprochenen Mängel sollten dem Nachfolge-Bike mit Namen Fiido X nicht in die Wiege gelegt werden. Erneut über Crowdfunding finanziert, mutierte das neue Modell schnell zum Fan-Liebling. Bei einer überaus erfolgreichen Indiegogo-Kampagne konntet ihr euch das Fiido X zum Preis von 1.100 Euro sichern. Inzwischen kostet es mit Rabatt und enthaltenem Zubehör 1.599 Euro. Leider sind ein paar Mängel tatsächlich behoben worden, doch neue kamen hinzu.

    Denn der Hersteller ging offenbar zu früh an den Start. Im Netz tauchten vereinzelt Berichte über Rahmenbrüche auf. Es folgte ein Rückruf des Herstellers. Die uns jetzt zum Test vorliegende Version des Fiido X wurde umfangreich geprüft, verfügt über zahlreiche Verbesserungen wie einen stärkeren Rahmen sowie einen verbesserten Faltmechanismus.

    Hoffentlich habt ihr bis hierhin durchgehalten und euch nicht vom etwas holprigen Marktstart des Fiido X abschrecken lassen. Denn das Fiido X ist definitiv einen zweiten, einen dritten Blick wert und es bietet neben der schicken, frischen Optik technische Details, die aufhorchen lassen, auch wenn noch nicht alles perfekt ist. Ein Auszug der technischen Daten.

    • Hydraulische Scheibenbremsen
    • 250 Watt-Motor mit Drehmomentsensor (350 Watt optional)
    • Integriertes LED-Licht
    • Elektronische Wegfahrsperre mit Zahlencode
    • Akku in Sattelstütze integriert, leicht entnehmbar, elektronisch gesichert
    • 130 Kilometer Reichweite dank 420-Wattstunden-Akku
    • Kompakt zusammenfaltbar
    • Im Rahmen verlaufene Kabel
    • LED-Display mit USB-Anschluss fürs Smartphone
    • 7-Gang-Schaltung von Shimano
    • Preis: 1.599 Euro (mit Rabatt)
    • Gewicht: circa 20 Kilogramm
    • Abmessungen gefaltet: 794 x 350 x 803 Millimeter

      Ersteindruck: Was für ein schickes E-Bike!

      Vorteil Faltrad: Das Fiido X kommt nahezu komplett vormontiert in einem verhältnismäßig kleinen Karton zu euch nach Hause. Bis zur ersten Probefahrt vergehen nur knapp zehn Minuten. Als kostenlose Dreingabe gibt es zurzeit von Fiido Schutzbleche dazu, die wir für diesen Test nicht montiert haben.

      Beim ersten Rundgang um das E-Bike staunen wir nicht schlecht, denn die Verarbeitung ist besser als erwartet und übertrifft die des Fiido D11 deutlich. Der schwachblaue Rahmen (eine alternative Lackierung wird aktuell nicht angeboten) ist auffallend gestaltet, etwas Vergleichbares findet sich unter aktuellen Falt-Rädern nicht.

      Fiido X: Bilder von der Testfahrt

    Die Schweißnähte am Rahmen (Magnesium-Legierung) und am Stahllenker sind sauber ausgeführt, die Kabelführung bis auf einen ausgesparten Bereich am Lenker erfolgt im Rahmen. Ein für uns wichtiges Qualitätskriterium: Heben wir das Falt-E-Bike an und lassen es aus einigen Zentimeter Höhe zu Boden fallen, gibt es kein Geräusch von sich. Das wird sich bei unseren anstehenden Touren bestätigen: Das Fiido X ist ein besonders leises E-Bike, da sich auch der Motor bei der Geräuschentwicklung angenehm zurückhält.

    Der Faltvorgang: Eigentlich gut, aber ...

    Um das Fiido X in ein 794 x 350 x 803 Millimeter großes Paket zu verwandeln, das in den Kofferraum oder ins Wohnmobil passt, löst ihr zunächst eine Klemme am Lenker. Dieser wird anschließend geklappt und baumelt lose neben dem Rahmen. Dann gilt es, eine massive Schnalle am Rahmen zu lösen. Dieser Schnalle haben wir besonderes Augenmerk zukommen lassen, da sie für die Stabilität und letztlich für die Sicherheit des E-Bikes essenziell ist. Und weil gerade in diesem Bereich Nachholbedarf seitens Fiido nötig war.

    Das Scharnier sitzt ohne Spiel im Rahmen, ist doppelt gesichert. Zunächst müsst ihr einen Sicherungshebel betätigen, bevor ihr das Scharnier mit einem kräftigen Zug öffnen könnt. Dann lässt sich das Test-Bike mit einem beherzten Ruck in der Rahmenmitte falten. An den Achsen finden sich Magnete, die verhindern sollen, dass sich das E-Bike im gefalteten Zustand verselbständigt. Wir hatten Situationen, in denen das nicht funktionierte und sich die Magnetverbindung ungewollt löste.


    Beim Hantieren im gefalteten Zustand fallen uns zwei Nachteile auf: Zum einen ist das Paket mit rund 20 Kilogramm recht schwer. Zum anderen hat das Fiido X im Gegensatz zu teureren Modellen, wie dem GoCycle G4, keinen Kettenschutz. Wer nicht aufpasst, hat schnell ölverschmierte Hände oder Kleidung.

    Damit das Fiido X im gefalteten Zustand nicht umkippt, müssen wir die Sattelstütze auf eine niedrige Position bringen. Da Fiido Sattelstütze und Akku kombiniert, ruht das Pedelec also auf dem Akku. Ein elektronisches Bauteil wie einen Akku als Stütze zu verwenden ist in unseren Augen alles andere als optimal. Immerhin: Am Bahnsteig oder im Treppenhaus könnt ihr den Akku beziehungsweise die Sattelstütze ganz nach oben fahren und das Fiido X im gefalteten Zustand vor euch herschieben.

    Bevor die Fahrt beginnt: Wie war noch mal der Code?

    Das Fiido X hat eine eingebaute Wegfahrsperre, die gleichzeitig auch den Diebstahl des Akkus verhindern soll. Dazu findet ihr am E-Bike-Heck, gut geschützt unter einer durchsichtigen Kunststoffabdeckung, ein Feld zur Eingabe eines Sicherheitscodes.

    Vor jeder Fahrt mit dem X müsst ihr zunächst die Hauptstromversorgung einschalten, das Tastenfeld der Wegfahrsperre aktivieren, anschließend den Code eingeben. Das mag umständlich klingen, erhöht aber die Chancen, dass euer E-Bike nach dem Brötchenholen noch geparkt und samt wertvollem Akku im Fahrradständer steht. Dennoch solltet ihr bei längerer Abwesenheit ein zusätzliches Schloss verwenden.

    Uns gefällt die etwas rustikalere Lösung mit dem elektronischen Zahlenschloss besser, als fehleranfällige Wegfahrsperren, die ihr per Smartphone und Bluetooth-Verbindungen aktivieren und deaktivieren müsst. Der Weisheit letzter Schluss ist sie aber nicht. Merkwürdig ist etwa, dass das Tastenfeld zwar beleuchtet ist. Die Tasten leuchten allerdings nur, wenn ihr sie drückt.

    Fahreindrücke: Wir sind illegal und immer wieder neu unterwegs

    Bei Fiido könnt ihr zwei Versionen des "X" bestellen. Wir fahren in diesem Test die in Deutschland illegale Version mit 350 Watt starkem Hinterradmotor. Illegal, da der Motor 100 Watt zu stark, die unterstützte Höchstgeschwindigkeit von 32 km/h für deutsche Straßen zu viel ist, denn um ein versicherungspflichtiges S-Pedelec handelt es sich beim Testgerät nicht.

    Die ebenfalls von Fiido für den deutschen Markt angebotene 250-Watt-Variante mit Unterstützung bis 25 km/h war zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Testberichtes teilweise ausverkauft. Bis auf die Höchstgeschwindigkeit und die Motorleistung gibt es keine technischen Unterschiede zwischen den beiden Modellvarianten des Fiido X.



    Beim Fiido X wurde ein Drehmomentsensor verbaut, der in unseren Augen viele Vorteile mit sich bringt. Die Kraftentfaltung erfolgt nun sehr harmonisch, vor allem im direkten Vergleich mit dem als Vorgänger zu bezeichnenden Fiido D11. Manch einer kann Drehmomentsensoren aber auch negative Eigenschaften abgewinnen.

    So ist es beim Fiido X nicht möglich, dem System eine Tretbewegung nur vorzugaukeln und zum Dank motorseitige Unterstützung zu ernten. Ein waghalsiger, einpedaliger Trip, wie wir ihn einst mit dem E-Bike von Vanmoof unternommen haben, ist mit dem E-Bike von Fiido also nicht möglich - geschenkt!

    Auf höchster Unterstützungsstufe erhalten wir vom 350-Watt-Motor kräftigen Rückenwind. Schnell sind die sieben Schaltstufen der Shimano-Schaltung durchgeschaltet. In den Werkseinstellungen war das Schaltwerk nicht optimal eingestellt, sodass sich der siebte Gang nicht einlegen ließ. Das haben wir behoben. Doch offenbar war hier die Endkontrolle im Werk nachlässig. Das Display zeigt eine Eigenart: Jedes mal, wenn wir das E-Bike ausschalten, setzt sich der digitale Kilometerstand auf Null zurück. Eine Gesamtkilometerzahl lässt sich nicht ermitteln - ein Bug.

    Reichweite von 130 Kilometern? Nicht ganz!

    Mit seiner 20-Zoll-Bereifung fährt sich das Fiido X einerseits knackig. Flink biegen wir ums Eck. Glücklicherweise leidet die Stabilität nicht unter den vergleichsweise kleinen Rädern. Dank bequemem Sattel und passender Ergonomie sind mit dem X auch längere Ausflüge machbar.

    Auf eine Federung müsst ihr aber andererseits verzichten. Wir vermissten sie vor allem beim Überfahren von kleineren Bordsteinkanten, weniger beim Fahren auf Schotter und Waldwegen. Die vom Hersteller versprochene Reichweite von 130 Kilometern haben wir im Test nicht erreicht. Die längste Strecke (summiert) waren 94 Kilometer, bis sich die Restkapazität bedrohlich dem Ende neigte. Schieben wollten wir nicht - eventuell wären aber noch ein paar Extra-Kilometer drin gewesen.


    Noch ein Hinweis zur Ergonomie: Der testende Redakteur wiegt 67 Kilogramm und ist 1,84 Meter groß. Er hatte dank stufenlos verstellbarer Akku/Sattelstützeneinheit keine Probleme, eine passende Sattelhöhe zu finden. Der Lenker lässt sich in der Höhe nicht verstellen.

    Laut Fiido soll das X, das es nur in einer Rahmengröße gibt, Menschen zwischen 1,55 und 2,0 Metern passen. Nach längeren Ausflügen schmerzten uns jedoch oft die Handgelenke. Das hat nur bedingt etwas mit den verbauten Handgriffen zu tun, aber auch diese stammen nicht aus dem obersten Regal und verströmen eine Zeit lang einen unangenehmen Geruch.

    Fiido X mit Rabatt kaufen: Preis, Verfügbarkeit und Alternativen

    Ihr könnt das Fiido X auf der Herstellerseite aktuell zum Preis von 1.599 US-Dollar (1.619 Euro) kaufen, wenn ihr im Bestellprozess den Code "FX20" eingebt. Aktuell legt Fiido noch Schutzbleche kostenlos dazu. Der reguläre Preis des Fiido X beträgt 1.799 US-Dollar (1.821 Euro).

    Vom Kauf der naheliegenden Alternative, dem nach wie vor beim Hersteller erhältlichen Fiido D11 (Testbericht) raten wir ab. Seid ihr auf der Suche nach einem ähnlich kompakten, elektrisch angetriebenem Faltrad, solltet ihr euch das Legend Monza (Testbericht) zum ähnlichen Preis anschauen.

    Deutlich komfortabler und besser ausgestattet, aber auch teurer, ist das GoCycle G4 (Testbericht). Herrlich verrückt hingegen ist das Super73 ZX. E-Bikes für den Einsatz in der Stadt beleuchten wir im Rahmen eines großen Vergleichstests näher. Generelle E-Bike-Neuheiten stellen wir euch regelmäßig aktualisiert an dieser Stelle vor.

    Transparenzhinweis: Der Hersteller hat uns das Fiido X kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Verbleib des Rezensionsexemplars ist noch ungeklärt.

    Fiido X: Die besten Alternativen

    Sagt euch nicht zu? Ihr sucht nach passenden Alternativen? Nachfolgend findet ihr die besten Fiido X-Alternativen. Eine noch umfangreiche Liste findet ihr in unserer E-Bike-Übersicht.

    von:https://www.netzwelt.de/fiido-x/testbericht.html








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