Falt-E-Bike Fiido D11 im Test: So schlägt sich der 700-Euro-Hit im Alltag |  Michael Knott | netzwelt
Das faltbare E-Bike Fiido D11 präsentiert sich vor dem Test als Ideallösung für Pendler, Camper oder Menschen, die ein innovatives Falt-E-Bike suchen. Auf Indiegogo kostete es nur 710 Euro. Jetzt ist es teurer, lohnt sich der Kauf?


  1. Das Versprechen auf Indiegogo: Ein Top-E-Bike für knapp 700 Euro!
  2. Auspacken und Zusammenbau
  3. Der erste Eindruck
  4. Ergonomie
  5. Das Cockpit
  6. Aus E-Bike wird Moped: Dieser verflixte Hebel!
  7. Testfahrt mit dem Fiido D11
  8. So faltet sich das Fiido D11 zusammen
  9. Fazit

    Die E-Bike-Branche, allen voran vergleichsweise junge Unternehmen wie VanMoof, profitiert vom turbulenten Sommer 2020. Auch der chinesische Hersteller Fiido nutzte mit dem D11 das Momentum und sorgte für Schlagzeilen.


    Das Pedelec im Allgemeinen kristallisierte sich schnell als Ideallösung für Menschen heraus, die in Corona-Zeiten nicht dicht an dicht in Bus und Bahn sitzen wollen. Die sich sportlich betätigen, aber nicht verschwitzt bei ihrer Arbeitsstelle ankommen wollen.

    • Gewicht: 12,9 Kilogramm (Herstellerangabe)
    • Zulässiges Gesamtgewicht: 120 Kilogramm
    • Antrieb: 250-Watt-Nabenmotor im Hinterrad (Xiongda)
    • Unterstützung: bis 25 km/h
    • Akku: 410 Wattstunden, in Sattelstütze integriert
    • Reichweite: Mindestens 100 Kilometer (Herstellerangabe)
    • Bremsen: Mechanische Scheibenbremsen
    • Räder: 20-Zoll-Räder
    • Schaltung: 7-Gang-Kettenschaltung (Shimano Tourney)
    • Preis: 710 Euro bei Indigogo (beendet) / 1.114 Euro regulär / 860 Euro mit Rabatt

      Das Versprechen auf Indiegogo: Ein Top-E-Bike für knapp 700 Euro!

      Im Heimatland deutlich präsenter und mit vielen unterschiedlichen E-Bikes am Start, ist das chinesische Unternehmen Fiido hierzulande eher unbekannt. Das will der Hersteller mit dem hier getesteten Fiido D11 ändern.

      Es wurde eigenen Angaben zufolge mit Blick auf den europäischen Markt entworfen, wird von europäischen Lagern aus an Kunden versandt und soll sich allein durch die 20 Zoll großen Rädern von Notlösungen im Stile vieler Xiaomi-E-Bikes abheben.

      Vorstellung Fiido D11



      Sehr gut gefällt uns auf Anhieb die Kombination aus Sattel, Sattelstütze, Rücklicht und Akku. Zum einen, weil Akku und Fahrradsattel häufig geklaut werden. Zum anderen könnt ihr zum Stromtanken einfach einen Schnellspanner lösen und den Akku samt Sattel in die Wohnung nehmen. Das E-Bike an sich kann im Keller bleiben.

      Der wahre Grund für das riesige Interesse an diesem E-Bike ist aber der niedrige Preis. Oder besser gesagt war. Während der Finanzierungsphase auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo konntet ihr das E-Bike für 710 Euro kaufen! Laut Fiido haben über 20 Netzwelt-Leser bei diesem Preis zugeschlagen. Und sind damit die bei Crowdfunding üblichen Risiken eingegangen. Doch Fiido lieferte.

      Jetzt, nach Abschluss der Kampagne, steigt der Preis auf regulär 1.114 Euro. Im Vergleich zu faltbaren Alternativen etwa von Blaupunkt, GoCycle oder Brompton ist das noch immer günstig.

      Auspacken und Zusammenbau

      Wir haben ein E-Bike der Vorserie vom Hersteller erhalten. Das macht sich an Kleinigkeiten wie der fehlenden Bedienungsanleitung bemerkbar. Der Zusammenbau gestaltet sich einfach und beschränkt sich auf:

      • Entfernen der Schutzpolsterung
      • Anbringen der Pedale
      • Einsetzen der Sattelstützen-Akku-Kombination
      • Entfalten des Aluminium-Rahmens
      • Ölen der Kette

      Es dauert vom Auspacken aus dem Karton bis zu dem Moment, in dem wir uns das erste Mal aufs Fahrrad setzen, nur rund 10 Minuten. Selbst die Reifen hatten bereits den korrekten Luftdruck.

      Der erste Eindruck

      Die Vorserie macht sich nicht nur durch die Abwesenheit einer Bedienungsanleitung bemerkbar. Bei unserem Testrad schleift der Seitenständer beim Hochklappen an der hinteren Scheibenbremse und muss manuell ein Stück zurückgeführt werden. Der Sattel hat deutliches Spiel, sodass im Bereich der Sattelstütze eine große Lücke klafft.

      Fiido D11 im Test: Die Mängelliste

      Die Schweißnähte sind grob, angesichts des Preises aber in Ordnung. Die für ein Faltrad wie das Fiido D11 wichtigen Scharniere, Bügel und Hebel, die Rahmen und Lenker in Stellung bringen, hinterlassen einen vertrauenswürdigen Eindruck.

      Ergonomie

      Wir ließen unterschiedliche Redaktionsmitglieder auf dem Fiido D11 Platz nehmen, die meisten fühlten sich schnell wohl. Der Sattel lässt sich zum einen neigen, zum anderen dank Schnellspanner blitzschnell in der Höhe (80 - 110 Zentimeter) verstellen.

      Beim Lenker könnt ihr lediglich die Neigung justieren, nicht aber die Höhe variieren. Menschen zwischen 1,60 und 1,85 Meter dürften mit den gebotenen Einstellmöglichkeiten zurechtkommen.

      Das Cockpit

      Das Fiido D11 hat auf der linken Seite ein kleines Display, auf dem die wichtigsten Informationen zusammenlaufen. Dazu zählt die aktuelle Geschwindigkeit, die gewählte Unterstützungsstufe und die zurückgelegten Kilometer.

      Die Akku-Anzeige gibt die verbleibende Kapazität nicht in Prozent, sondern per Balkendiagramm an. Das ist nicht sehr genau. Immerhin passt sie sich umgehend der gewählten Unterstützungsstufe an. Fordert ihr den Akku stark, schwindet also umgehend ein Balken.

      Bremshebel und Schalthebel hinterlassen einen gemischten Eindruck. Während wir mit den Bremshebeln leben können, fühlt sich der schwammige Schalthebel mit seinen tiefen Druckpunkten alles andere als hochwertig an. Klar geht das besser, dann wird es in der Regel jedoch teurer.

      Aus E-Bike wird Moped: Dieser verflixte Hebel!

      Ihr könnt mit all dem bisher Gesagten leben? Vielleicht kommt jetzt ein Dämpfer. Denn das Fiido D11 hat einen Electric-only-Modus. Ihr könnt, müsst aber nicht, in die Pedale treten. Drückt ihr stattdessen den Hebel an der rechten Seite nach unten, bewegt sich das D11 von ganz alleine.

      Das klingt natürlich traumhaft, hat aber einen gravierenden Nachteil. Denn so, wie das Fiido D11 bei uns ankam, entspricht es nicht den deutschen Bestimmungen an ein Pedelec. Aufgrund dieses Hebels dürft ihr mit dem Rad nicht auf öffentlichen Straßen oder Radwegen fahren, sondern nur auf Privatgrundstücken.

      Bei einer abendlichen Runde auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums wird erneut deutlich, wie realitätsfern diese Regelung ist. Ein ebenfalls getestetes E-Mountainbike von Haibike ohne "Daumengas" beschleunigt mit angetäuschter Pedalumdrehung um ein Vielfaches vehementer als wir mit unserem daumenbeschleunigten Faltrad.

      Habt ihr hingegen ein riesiges Privatgrundstück, habt ihr die Wahl, ob ihr mit Unterstützung oder überhaupt nicht treten wollt und euch bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h tragen lassen wollt. In unseren Augen widerspricht dies nicht dem E-Bike-Gedanken. Das Gegenteil ist der Fall. Wir sind der Meinung, dass der "Electric-only-Modus" dabei helfen kann, mehr Menschen weg vom Auto, hin zum E-Bike zu bekommen.

      Testfahrt mit dem Fiido D11

      Wir werden diesen Test des Fiido D11 zu einem späteren Zeitpunkt aktualisieren und um Alltagserfahrungen, Reichweitenmessungen und mehr erweitern. Die folgenden Schilderungen geben unseren Ersteindruck wider.

      Der Hinterradmotor beschleunigt in der niedrigsten der drei Unterstützungsstufen dezent, in der höchsten vehement. Positiv: Die Geräuschkulisse des Motors bleibt im erträglichen Rahmen. Aktuelle Mittelmotoren, etwa von Bosch oder Yamaha, sind unserer Erfahrung nach oft lauter.

      Nachbesserungsbedarf hat Fiido beim Motormanagement. So schiebt der Motor häufig noch fröhlich weiter an, obwohl wir längst aufgehört haben zu treten. Erst der Zug am Bremshebel drosselt dann die Leistung.

      In der Einfahrphase machen Bremsbeläge und Schaltung mit Schleifgeräuschen auf sich aufmerksam. Die Geräuschkulisse des Fiido D11 dürfte mit der Zeit aber nachlassen.

      Eine Federung gibt es nicht. Dennoch macht es Spaß, mit dem wendigen Falt-E-Bike unterwegs zu sein. Gerade in der Stadt wuselt ihr euch schnell durch enge Lücken, biegt scharf ab und wendet auf dem sprichwörtlichen Bierdeckel. Die Bereifung übernimmt einen Teil der Federung. Vorsicht ist bei Schlaglöchern geboten, in die das 20-Zoll-Vorderrad einschlagen könnte.

      Der Nabenmotor im Hinterrad ist kräftig genug, um auch stattliche Steigungen im Verbund mit eurer Muskelkraft zu erklimmen. Wir fuhren einen Berg mit 13-prozentiger Steigung bei höchster Unterstützung und bei einer Außentemperatur von 20 Grad sechsmal hoch und runter. Dabei konnten wir weder eine Überhitzung noch einen Leistungsabfall feststellen.

      So faltet sich das Fiido D11 zusammen

      Dass es sich beim Fiido D11 um ein Falt-eBike handelt, vergisst man während der Fahrt schnell. Doch gerade die Möglichkeit, das E-Bike zusammenzufalten, macht es für Pendler interessant. Wie schnell lässt sich das Pedelec also zusammenklappen und in Kofferraum, Wohnmobilgarage oder Zugabteil verstauen?

      Der Faltvorgang an sich geht blitzschnell: Hebel am Rahmen umlegen und schon steht das Bike in zwei Hälften vor euch. Jetzt noch den Lenker umklappen, fertig. Heraus kommt ein 84x40x59 Zentimeter großes Paket.




      Leider ist dieses Paket sehr sperrig zu handeln. Wo GoCycle und andere Anbieter von Falt-E-Bikes auf ausgeklügelte Magnetkopplungen, Trolley-Räder und weitere Ingenieurs-Kniffe setzen, die den Alltag mit solch einem Paket vereinfachen, bietet das D11: nichts.

      Kein Gummiband, kein Kugelgelenk und kein Magnet hindert etwa die beiden "Pakethälften" daran, beim Hineinwuchten in den Kofferraum auseinanderzufallen. Zum anderen treffen beim Falten im unglücklichsten Fall sensible Komponenten mit Wucht aufeinander. Achtet etwa beim Zusammenklappen unbedingt auf die Bremsen.

      Dieser Testbericht wird bald um weitere Eindrücke, etwa zur Reichweite, ergänzt. Wenn ihr Interesse am E-Bike habt: Der Hersteller veranstaltet ein Gewinnspiel, bei dem ihr eines von fünf D11 gewinnen könnt.


      Fiido D11: Die besten Alternativen

      Sagt euch nicht zu? Ihr sucht nach passenden Alternativen? Nachfolgend findet ihr die besten Fiido D11-Alternativen. Eine noch umfangreiche Liste findet ihr in unserer E-Bike-Übersicht.


      nachgedruckt aus: https://www.netzwelt.de/fiido-d11/testbericht.html

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